Ergebnis des Projektes "Kulturgut Schach"

Das Projekt „Kulturgut Schach“ wurde in verschiedene Untergebiete untergliedert, die zunächst getrennt untersucht wurden:

Schach in Deutschland (1)

Es zeigte sich, dass Schach in Deutschland gut organisiert ist. Als Dachverband gibt es zunächst den Deutschen Schachbund. Dieser gehört dem Deutschen Sportbund an. Die Anerkennung als Sport bringt dem Schachsport viele Vorteile, da hierdurch Fördergelder fließen. Während der Diskussion in der Europäischen Sportakademie (Tag 13) zeigte sich aber, dass es keineswegs immer so bleiben muss. Innerhalb Deutschlands gibt es starke Bestrebungen dem Schachsport die Fördergelder zu streichen. Es ist daher durchaus wichtig, um Anerkennung zu kämpfen. Die deutschen Schülerinnen und Schüler wurden während des Austausches für dieses Problem sensibilisiert. Vor allem den Kindern, die Mitglied im Schulschachverein sind, wurde klar, dass man in einer Demokratie immer auch für eigene Interessen kämpfen muss.

Der Deutsche Schachbund untergliedert sich wiederum in Landesverbände, die der föderalen Struktur Deutschlands entsprechen. Eine Ausnahme macht das Land Baden-Württemberg, welches aus historischen Gründen aus zwei Unterverbänden besteht (Baden und Württemberg). Der Landesverband Rheinland-Pfalz gliedert sich in weitere Unterverbände (Rheinland, Pfalz und Rheinhessen). Jeder dieser Unterverbände wird wiederum in Bezirke aufgeteilt. Im Falle des Schachverbandes Rheinland sind dies die Bezirke Rhein-Ahr, Rhein-Westerwald, Rhein-Nahe und Trier. Im Bezirk Trier gibt es viele Vereine. Einer davon ist der Schulschachverein der Integrierten Gesamtschule Trier. Den Gastschülern wurde sehr deutlich wie viel Wert in Deutschland auf Strukturen gelegt wird.

Schach in Tadschikistan (2)

In Tadschikistan ist Schach anders organisiert. Hier gibt es Einzelpersonen, die offene Schachturniere ausschreiben, an denen jeder teilnehmen kann. Eine detaillierte Verbandsstruktur wie in Deutschland fehlt komplett. Natürlich gibt es auch in Deutschland frei organisierte Turniere, meist werden sie aber von Vereinen durchgeführt. Dies wurde auch bei der Teilnahme am Mattheiser Ferienturnier (Tag 10 bis 12) deutlich, welches ja vom Bundeligaverein Schachgesellschaft Trier durchgeführt wird und der Nachwuchsrekrutierung dient. Gleiches gilt für die Teilnahme am 1. Internationalen Schulschachpokal (Tag 14), der von der Schachakademie Trier und dem Schulschachverein der IGS Trier organisiert wurde. Anders als in Tadschikistan stehen in Deutschland hinter organisierten Turniere meistens Organisationen.

Schach an der IGS Trier (3)

Schach an der IGS Trier wird als Wahlpflichtfach unterrichtet (Konzept siehe Menüpunkt - WPF „Schach an der IGS“ -, dies ist einzigartig in Deutschland, kann aber vielleicht richtungsweisend sein, in welche Richtung sich Schulschach entwickeln kann. Darüber hinaus gibt es an der IGS viele weitere Schachaktivitäten (siehe Menüpunkte – Schachkonzept der IGS Trier – und – Schachprojekte der IGS Trier –).

Schach am Safina Gymnasium in Chudschand (4)

Am Safina Gymnasium Chudschand wird Schach in Form einer Arbeitsgemeinschaft angeboten. Betreut wird die Arbeitsgemeinschaft Schach von einem starken Internationalen Meister des Landes. Eine Besonderheit ist, dass die tadschikischen Schülerinnen und Schüler versuchen durch Schach besser Deutsch zu lernen. In der Allgemeinen Deutschen Zeitung lesen wir hierzu:

„Spielerisch Deutsch lernen – das nimmt sich ein Projekt vor, das im Vordergrund die Deutsche Sprache hat. Das Projekt wird vom Safina Gymnasium aus Tadschikistan initiiert und soll zum leichteren Erlernen der Deutschen Sprache führen, aber auch zu einem kulturellen Austausch zwischen den tadschikischen Schülern und deutschsprechenden Schülern aus anderen Ländern.

Das Gymnasium wurde vor einigen Jahren im Bezirk B. Gafurov (Tadschikistan) eröffnet. Im Safina lernen etwa 425 Schüler, von der 1. bis 11. Klasse Deutsch. Deutsch wird im Gymnasium intensiv gelernt. Um die Beziehung zu anderen deutschlernenden Schulen zu vertiefen, entstand die Projektidee „Deutschlernen mit Schach“. Die Projektidee ist der Aufbau von Partnerschaften zwischen Schulen aus Österreich und Deutschland, aber auch aus anderen Ländern. Dies soll über das Schulfach Schach und mit ausländischen Schulen weltweit mit dem Schwerpunkt Deutsch mittels schachinteressierten Schülern ermöglicht werden. Ziel des Projektes ist Deutschlernen über das verbindende Thema Schach, aber auch ein Schüleraustausch unter den implizierten Schulen.

Das Projekt wurde im November 2012 auf der Jahrestagung des Jugendschachverbandes in Deutschland vorgestellt und wurde positiv aufgenommen. So entstand eine Partnerschaft zur deutschen Gesamtschule Trier. Im Sommer dieses Jahres werden somit zehn der besten Schachspieler des Safina Gymnasiums zu einem ersten Austausch nach Deutschland fliegen. An der Safina Schule gibt es wöchentlich zwei Schachstunden und eine Stunde Deutsch zum Thema Schach neben dem regulären Deutschunterricht. Die Schüler werden in Trier eine Woche am normalen Regelunterterricht teilnehmen und im August an einem internationalen Schachturnier. Unter anderen werden sich am Turnier auch Spieler aus Frankreich, Luxemburg, Belgien, Deutschland und Tadschikistan beteiligen.

„Der Ansatz ist es also, über das Schachspiel der Schüler ein gemeinsames Hobby zu teilen und in diesem zu wetteifern. Der Sinn liegt aber auch und insbesondere darin, den Schülern ausländischer Schulen das Deutschlernen zu vereinfachen“, sagt Frank Herzig, der deutsche Ansprechpartner an der tadschikischen deutschen Schule. Demnächst soll eine Internetseite entstehen. Dabei wird das gemeinsame Schachspiel ermöglicht. „Das Ziel ist es nun, gerade diesem Teil der Schüler, die ja nicht unbedingt Deutsch lernen, eine Plattform zu geben, um sie als zusätzliche Deutschlerner zu gewinnen oder, falls sie dies schon sind, zusätzlich zu motivieren“, fügt Frank Herzig hinzu.

Für die Partnerschulen in Österreich oder Deutschland oder anderen Ländern liegt der Zugewinn im Kulturaustausch, mit fremden Kulturen und einem spielerischem Wettbewerb. Die Schüler sollen laut Projekt eine ihnen sehr fremd wirkende Kultur eingehender kennenlernen. Die Kulturen sollen somit durch das Schachspiel verbunden werden.

Ab 2014 wird das Thema Deutsch/Schach an der Uni Jena als Masterarbeitsthema für DaF angeboten. Masterstudenten für DaF können nun ein Praktikum am Safina Gymnasium absolvieren. In der Masterarbeit geht es um die Nachweisführung, inwieweit das Schachspiel in der Kombination zu Deutsch als Fremdsprache dem Erlernen der deutschen Sprache hilfreich ist und auch ob und in welcher Prozentzahl aus dieser Kombination zusätzliche, bis daher für Deutsch uninteressierte, Schüler sich für diese Sprache interessieren. Gleichzeitig geht es auch darum, das Ergebnis abzuwägen, inwiefern diese Schach-Deutschlerner sich von den anderen Deutschlernern unterscheiden.“

Geschichte des Schachspiels (5)

Die Arbeitsgruppe erarbeitete sich Wissen über die Entstehung des Schachspiels und seine Verbreitung. Hier gibt es verschiedene Theorien, die alle diskutiert wurden. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen wo und wie Schach entstanden ist. Auch wie das Spiel nach Europa kam ist nicht sicher bewiesen. Seine Ausbreitung in Europa ist aber klar dokumentiert. Besonderes Augenmerk wurde auf die Tatsache gelegt, dass die Erfindung des Buchdrucks und später des Computers das Schachspiel und seine Bedeutung sehr verändert hat. Beide Erfindungen waren für das Schachspiel und seine Entwicklung epochal. Die Arbeitsgruppe beleuchtete abschließend die Historie des Schachs im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt wurde hierbei auf die Geschichte der Schachweltmeisterschaften gelegt.

Schach in den Medien (6)

Spannend war es für die Arbeitsgruppe zu entdecken, dass es sehr viele wissenschaftliche Studien gibt, die den Wert des Schachspiels für die intellektuelle, aber auch die soziale Entwicklung von Kindern aufzeigen. Dies war den Schülerinnen und Schüler so noch nicht klar. Sie schauten sich zum Beispiel die Olewiger und die Bozener Schulschachstudien an (siehe Menüpunkt Downloads). Jetzt wurde auch deutlich warum Schach als Fach an der IGS Trier vom Kultusministerium genehmigt wurde. Die Arbeitsgruppe „Schach in den Medien“ war angesichts dieser Fakten überrascht, dass Schach in den Medien recht wenig vorkommt (mit Ausnahme spezieller Schachmedien). Hier wurde vor allem die Frage diskutiert, ob sich die Schachspieler mehr um das Marketing ihres Sports kümmern müssten. Es ist allerdings gar nicht einfach Schach zu „vermarkten“, da das Spiel sehr komplex ist und nicht so einfach nachvollzogen werden kann. Versuche, wie die Fernsehreihen „Schach dem Großmeister“ oder „Zug um Zug“ hat es gegeben. Sie konnten sich letztlich aber nicht durchsetzen. Zum Schluss wurde noch auf die Bedeutung des Computers als Schlüsselmedium für das Schachspiel eingegangen.

Zusammenfassung

Während des Projektes hat eine intensive Zusammenarbeit aller Schülerinnen und Schüler stattgefunden. Es wurde den Kindern aus beiden Ländern deutlich, dass Schach ein jahrhundertealtes Kulturgut ist, das in nahezu allen Ländern der Erde gespielt wird. Allerdings gibt es große Unterschiede, wie das Spielen in verschiedenen Ländern organisiert wird.

Durch die Einbindung der außerschulischen Netzwerkpartner in das Projekt wurden den Kindern verschiedene zuvor nur theoretisch erarbeitete Zusammenhänge in der Praxis verdeutlicht. Mit folgenden Organisationen hat es eine Zusammenarbeit gegeben:

-        Schachgesellschaft Trier

-        Schachakademie Trier

-        Schulschachverein der IGS Trier

-        Universität Dortmund

-        Universität Jena

-        Universität Trier

-        Gutenbergmuseum Mainz

-        Arena Trier

-        Europäische Sportakademie Trier

-        Schachjugend Rheinland-Pfalz

-        Schachjugend Rheinland

Das Projekt wirkt natürlich auch in die Zukunft. Folgende Schlüsse wurden aus den Projektergebnissen gezogen:

1.     Der Schachschwerpunkt an der IGS Trier wird eine Kooperation mit dem Schachschwerpunkt am Safina Gymnasium Chudschand betreiben. Über die Deutsche Schulschachstiftung könnten z.B. preiswerte Schachmaterialien besorgt und nach Tadschikistan gebracht werden.

2.     In Tadschikistan könnte, ausgehend vom Safina Gymnasium, eine Struktur in das tadschikische Schach (im Schulschachbereich) gebracht werden. Jugendländerkämpfe zwischen Deutschland und Tadschikistan könnten ein langfristiges Ziel sein.

3.     Weiterhin wird die Kooperation mit den Universitäten Dortmund und Jena fortgesetzt. An der Universität Dortmund wurde ein Schachfernkurs entwickelt, den die tadschikischen Schüler absolvieren. Die Universität Jena wird versuchen den Nachweis zu führen, dass das Schachspiel in Kombination mit Deutsch als Fremdsprache dem Erlernen der deutschen Sprache hilfreich ist. Das Safina Gymnasium dient dabei quasi als Pilotschule.

4.     An der IGS Trier wird weiter an der Entwicklung von Lehrbüchern für das WPF Schach gearbeitet. Zudem werden Lehrerbände erstellt. Geplant ist eine sechsteilige Reihe mit je einem Schüler- und einem Lehrerband. Das Lehrwerk wird nach Fertigstellung selbstverständlich auch der Bibliothek des Safina Gymnasiums kostenfrei zur Verfügung gestellt.

5.     Einige der deutschen Schüler haben durch das Projekt Freude am Schach gefunden und wollen den Schulschachverein ihrer Schule beitreten.

6.     Über Schachserver werden die deutschen und die tadschikischen Kinder in Zukunft Schach online miteinander spielen. Eventuell wird hierzu sogar eine eigene Webseite erstellt.

7.     Es wird angestrebt, dass einige der tadschikischen Teilnehmer des Austausches nach Deutschland (vielleicht sogar nach Trier) studieren kommen. Die IGS Trier wird sie hierbei nach Kräften unterstützen.

8.     Im Jahr 2016 wird es auf jeden Fall einen Gegenbesuch der deutschen Kinder in Tadschikistan geben. Alle freuen sich schon sehr darauf. Dieser Austausch wird an der IGS Trier im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft vorbereitet, die von Herrn Häusler und Herrn Mallmann geleitet wird. Unterstützen wird sie hierbei eine Tadschikin, die in Deutschland studiert.